Tatsächlich sind Systeme für maschinelle Übersetzung (MT) inzwischen so weit entwickelt, dass die maschinelle Übersetzung allgemeinsprachlicher Ausgangstexte nahezu fehlerfrei funktionieren kann. Grundvoraussetzung ist, dass die KI mit großen Datensätzen trainiert wurde. Dennoch kann selbst das beste MT-System nicht garantieren, dass ein maschinell übersetzter Text fehlerfrei ist. In vielen Bereichen spielt der menschliche Faktor weiterhin die wichtigste Rolle. Übersetzungsfehler sind besonders wahrscheinlich, wenn die Betreiber des MT-Systems die Zielsprache kaum oder gar nicht beherrschen.
Fehlerquelle: Homographe
Eine große Gefahr maschinell übersetzter Texte liegt in einem unscheinbaren Detail: Homographen. Das sind Wörter, die gleich geschrieben werden, aber unterschiedliche Bedeutungen haben. Viele regelbasierte und statistische MT-Systeme können die richtige Bedeutung eines Homographs in solchen Fällen nicht tatsächlich interpretieren – ob eine Übersetzung korrekt ist, bleibt daher dem Zufall überlassen. Hier einige Beispiele:
| Wort | 1. Bedeutung | 2. Bedeutung |
| Bank | ein Finanzinstitut | eine Sitzgelegenheit |
| Schloss | historisches Gebäude | Mechanismus zum Verschließen |
| Mutter | weibliche Elternperson | ein Befestigungselement |
| Anhalten | Stoppen | andauern/fortbestehen |
| Montage | Wochentag im Plural | Zusammenbau, Montage |
Neuronale maschinelle Übersetzungssysteme bilden eine Ausnahme bei der Fehleranfälligkeit im Zusammenhang mit Homographen. Wenn diese Systeme zuvor trainiert und mit großen Datensätzen versorgt wurden, können sie verschiedene Bedeutungen eines Homographs meist deutlich besser unterscheiden. Sie erschließen die passende Bedeutung aus dem Kontext und übertragen sie anschließend in das richtige Äquivalent der Zielsprache.
Probleme und Chancen von MT-Systemen bei Fachübersetzungen
Grundsätzlich steigt das Risiko schwerwiegender Fehler bei Fachübersetzungen bereits durch die mögliche fehlerhafte Anwendung des Systems für maschinelle Übersetzung. Außerdem sind maschinelle Übersetzungen für Texte aus Marketing oder Literatur nur eingeschränkt geeignet, unabhängig von Erfahrung und Kompetenz des Anwenders. Sprachliche Nuancen, Redewendungen und Wortspiele gehen dabei häufig vollständig verloren. Ein literarisches Meisterwerk auf Japanisch kann dann in der deutschen Fassung zu einem emotionslosen Roman werden.
Die maschinelle Übersetzung juristischer, technischer oder medizinischer Texte ist möglich. Wir raten jedoch davon ab, maschinelle Übersetzung ohne anschließendes Korrektorat oder Post-Editing einzusetzen: Das Risiko daraus entstehender Übersetzungsfehler ist hoch. Zudem bestehen im Bereich maschineller Übersetzung weiterhin rechtliche Unsicherheiten. Wer übernimmt beispielsweise Verantwortung und Haftung für Personen- oder Sachschäden, die durch einen Fehler in einem maschinell übersetzten Text entstehen? Wenn Sie dieses unsichere Terrain vermeiden möchten, sollten Sie wahrscheinlich auf die Leistungen eines menschlichen Übersetzers setzen.
Trotzdem bietet maschinelle Übersetzung in vielen dieser Fachbereiche enormes Potenzial. Neuronale maschinelle Übersetzung mit anschließendem Post-Editing durch einen Fachexperten ist bereits eine praktikable und sinnvolle Alternative zur rein menschlichen Übersetzung.